Robo Advisor

Robo Advisors – die besseren Anlageberater?

Was im Finanzierungsgeschäft die Online- oder E-Hypothek ist, könnte als elektronisches Gegenstück im Anlagegeschäft bald das „Robo Advisory“ werden.

Das Robo Advisory (oder auf Deutsch: Online-Vermögensverwaltung) beschreibt eine Webanwendung, die mit nur wenigen Klicks auf Basis von individuellen Eingaben ein passendes Portfolio empfiehlt.

Die Formen der Anlageberatung sind jedoch mannigfaltig, weswegen es sich lohnt, diese einmal gegenüberzustellen:

ArtKlassisches Private BankingRobo-AdviceOnline-BrokerageHybrid Banking
Kurz erklärt:Persönliche Anlageberatung und Vermögensverwaltung für vermögende Privatkunden.Vermögensverwaltung, bei der der Computer die persönliche Anlagestrategie ermittelt
und umsetzt.
Kunden entscheiden selber, wie sie anlegen wollen, und sie führen die Investition auch eigenhändig am Computer aus.Kombiniert die Kostenvorteile des Robo-Advice mit der persönlichen Beratung und Vermögensverwaltung der klassischen Privatbanken.
CH-Anbieter:z.B. Julius Bär, Vontobel, Private Banking von UBS / CSTruewealth (mit der Saxo Bank als Depotbank), Investomat der GLKBSaxo Bank, Swissquote, Onlinebanking diverser BankenLeodan
Vorteil:Intensive, individuelle und persönliche Beratung.Tiefe Gebühren.Maximale Individualität. Transparent.Persönliche Beratung. Tiefe Gebühren. Transparent.
Nachteil:Teuer. Für Kunden mit Anlagebeträgen von weniger als einigen Hunderttausend Franken nicht geeignet.Keine Möglichkeit von Einzelinvestments. Keine persönliche Beratung. Keine persönliche Beratung. Der Kunde ist auf sich alleine gestellt. Nicht ganz so billig wie Robo-Advice.
Quelle: http://robo-investing.ch
Die Geschichte des Robo Advisory begann 2008, im Jahr der Finanzkrise. Ihr liegt das automatische Re-Balancing zu Grunde, welches dem Investor seine Zielstrategie in den zuvor definierten Anlageklassen, meist abgebildet durch Index-Fonds,  gewährleisten sollte.

Die Strategie von Robo Advisors ist somit meist passiv und einem „buy and hold“ Ansatz folgend. Vor 2008 wurde Vermögensverwaltung-Software lediglich Asset Managern verkauft, um deren Arbeitsaufwand – bei gleicher Marge – zu verringern. Mit der Geburt der Robo Advisory Lösungen wurden diese Services auf den Endkunden (den Investor) als Anwender ausgerichtet – der Vermögensverwalter als Finanzintermediär entfällt.

Im Zuge dieser Entwicklung übernahm 2010 die sanktgallische Nettobank, eine Tochtergesellschaft der Bank Wegelin, eine Pionierrolle in der Schweiz und verfolgte eine reine ePrivate-Banking-Strategie. 

«Wir verwenden bewusst das Internet als zentrale Schnittstelle zum Anleger und verzichten auf persönliche Beratung», schrieb das Unternehmen, welches  nach zwei Jahren dem Wegelin-Deal zum Opfer fiel und wieder eingestampft wurde. Bereits zu dieser Zeit konnte ab einem Vermögen von CHF 25’000 und in „nur 3 Schritten“ auch in der Schweiz „vollautomatisch“ ein Investment getätigt werden.

Nettobank Webseite
Nettobank 2011
Wer hat’s erfunden? Die Amerikaner!

Entstanden sind die zurzeit erfolgreichsten Tools in den USA. Mit Betterment startete 2010 ein erstes Angebot der online-basierten Vermögensanlage, welches auf den Prinzipien des effizienten Portfolios à la Markowitz basiert. Im ersten Jahr sammelte Betterment rund zehn Millionen Dollar ein, inzwischen werden bei den rund 85.000 Kunden Vermögen im Umfang von rund  2,2 Milliarden Dollar verwaltet.

Ein Jahr später folgte mit Wealthfront ein Konkurrent, der inzwischen wohl die gleiche Grösse haben dürfte. Es dauerte allerdings bis zum Frühling dieses Jahres,  bis mit Charles Schwab ein erster großer Akteur der Finanzbranche in den USA selbst ein Angebot zur Online-Vermögensanlage machte – und im Mai dieses Jahres startete der US-Fondsgigant Vanguard mit einem eigenen „Personal Advisor Service“, der allerdings erst ab Beträgen von 50.000 Dollar nutzbar ist.

Ein Stern am Schweizer Himmel: True Wealth bietet eine eindrückliche User Experience, wird aber gegen die grosse Hürde des (noch) fehlenden Vertrauens ankämpfen müssen.

Nach einigen Jahren ohne grosse Robo-Erfolgsgeschichten versucht sich mit True Wealth  ein junges aber erfahrenes Team im hiesigen Markt zu behaupten.

TrueWealth 2015
True Wealth 2015

True Wealth adressiert zur richtigen Zeit ein aktuelles Kundenbedürfnis mit einem überzeugenden Lösungsansatz: Die Lösung richtet sich an Geldanleger, die einen Vertrauensverlust in die Bankenwelt erlitten haben und die niedrigen erzielbaren Renditen nicht für hohe Gebühren ausgeben wollen.

Mit einer vor allem auch im Bereich der Benutzerfreundlichkeit überzeugenden Leistung gewann True Wealth im März 2015 den «Best of Swiss Web Award», eine der bedeutendsten Auszeichnungen der Schweizer Web- und IT-Branche.

Eines fällt auf: den Machern von True Wealth ist es gelungen, einen hochwertigen Service  zu entwickeln, welcher intuitiv anwendbar und damit selbsterklärend ist. Bereits ab einem Vermögen von CHF 8’500 kann ein potentieller Anleger in 5 Schritten (und nach eigenen Angaben Total 30′) ein komplettes Portfolio anlegen. Der physische Steuerausweis ist im Pricing bereits enthalten.

Investomat – die digitalste Bank der Schweiz mischt auch im Robo Advisory Geschäft mit

Im Januar dieses Jahres hat mit dem Investomaten auch die Glarner Kantonalbank eine Anlage-Plattform lanciert, über welche Privatpersonen aus der ganzen Schweiz bereits ab 5’000 Franken in Indexfonds (ETF) investieren investieren können. Als Vorteil gegenüber True Wealth kann der Investomat die Marke „Glarner Kantonalbank“ in die Waagschale legen. Wo Vertrauen zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird, bevorzugen auch online-affine Anleger oft die Sicherheit, die ein aus „bricks“ und nicht nur aus „bytes“ bestehendes Unternehmen bietet.

Dass es der Glarner Kantonalbank ernst ist mit der Digitalisierung zeigt auch deren jüngste Fintech Kooperation mit iShares und Moneypark mit dem Resultat, zukünftig Ziel-Sparpläne auf günstige Indexfonds anzubieten.

Sind Robo Advisors die besseren Anlageberater?

Diese Frage lässt sich sowohl mit quantitativen als auch qualitativen Messmethoden nur schwer erörtern. Tatsache ist jedoch, dass auch renommierte Geldhäuser in Europa im Bereich der mit Algorithmen unterstützen Anlageberatung kräftig aufrüsten und nicht vor einer selbstverursachten Kanibalisierung zurückschrecken. Unlängst hat die Deutsche Bank ihre Online-Investment Plattform „Maxblue“ um den Robo-Advisor “AnlageFinder” erweitert, der sich an erfahrene Anleger und Börsen-Einsteiger richtet.

Den selbständigen, online-affinen Anleger wird vor allem die Nettoperformance interessieren. Dem hybriden Kunden wäre gedient, wenn im Zweifelsfall ein Call-Center Agent die ausgewählte Anlagestrategie verifizieren könnte und der traditionsbedachte Negotiater aus dem Private Banking-Segment wird auf das individuelle Offering schwören.

Das Nutzererlebnis ist und bleibt eine individuelle Erfahrung – die Anlageperformance ist jedoch das, was unter dem Strich übrig bleibt.

Um einen Quervergleich in der Anlageperformance zu erhalten, kann man sich online einer der diversen Vergleichsdienste bedienen. So unter anderem auch dem aktuellsten Bericht von Brokervergleich.de, welcher einige namhafte deutsche Robo Advisor-Plattformen und deren Performance analysiert hat.

Robo Advisor Deutschland - Vergleich Dezember 2015
Brokervergleich.de – November 2015
Hier gehts zum ganzen Vergleich: Brokervergleich.de
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