Mobile Payment

Contactless Payment: Wer gewinnt?

Der Themenbereich Mobile Payment ist an Dynamik, national oder international, momentant fast nicht zu überbieten.

Bereits vor Jahresende habe ich darüber berichtet, dass es der physischen Kreditkarte zunehmend an den Kragen geht. Nachfolgende Quellen liefern ein kurzes Update über die Geschehnisse der letzten Monate:

Mastercard und Wearables

Dass die Kreditkarte nicht mehr in Form einer rechteckigen Plastikkarte gezückt werden muss, dafür soll die so genannte „Tokenziation“ sorgen. Einfach erklären lässt sich dies am Beispiel von Mastercard und deren Partnerschaft mit Coin. Ziel dieser Partnerschaft ist es, die Funktionalität der Kreditkarte in tragbare Alltagsgegenstände (z.B. Fitnessbänder, Schmuckstücke, Kleider, Uhren) zu integrieren, wie das nachfolgende Video eindrücklich illustriert.

Swatch und Bellamy (Visa)

Im gleichen Themenkreis anzusiedeln ist auch die Ankündigung von Swatch, dass die „Bezahluhr“ namens Bellamy mit der intergierten Visa-Karte (Schweizer Partner: Cornèrcard) bereits im kommenden Monat für bescheidene CHF 105.00 auf den Markt kommen wird. Dass die Zahlungsbeträge wie bei kontaktlosen Prepaidkarten vom Guthaben abgebucht werden, welches zuvor auf die verbundene Bank-Zahlungsfunktion geladen werden muss, erachte ich zwar für Sicherheitsfanatiker als sinnvoll. Ob diese Prepaid-Hürde in Bezug auf die User Experience wirklich die breite Masse anspricht, muss sich erst noch in der Praxis beweisen.

Apple Pay & boon (Mastercard)

Vor rund einer Woche hat das Unternehmen Wirecard bekannt gegeben, mit Boon die erste rein digitale Bezahllösung mit Apple Pay auf den europäischen Markt gebracht zu haben. Mit boon kann jeder Engländer Apple Pay ohne spezifische Bankbeziehung auf Basis einer Mastercard nutzen.

Tipp: Sollten sich unter der Leserschaft  Apple-Evangelisten befinden, die nicht auf die Markteinführung in der Schweiz warten wollen, hilft dieser kleine, nicht ganz kostenlose Trick weiter.
Paymit oder Twint – wer gewinnt?

Im Unterschied zu den obigen Partizipanten handelt es sich bei Paymit oder Twint nicht um „digitalisierte Kreditkarten“ sondern um eigenständige Bezahllösungen. Welche dieser Lösungen das Rennen in der Schweiz machen könnte haben auch wir uns schon länger gefragt.  Relativ offensichtlich erscheint es dem objektiven Betrachter, dass sich in der Schweiz nicht mehrere Standards durchsetzen würden. Am 15.03.2015 löste dann ein Tweet von Marc P. Bernegger, (DER „Wetterschmöcker“ der Schweizer Fintech-Szene) wonach Apple die Marke „Apple Pay“ soeben in der Schweiz registriert habe, ein heftiges Medienecho aus. Nicht zuletzt auch unter dem Druck eines möglichen Markteintrittes von Apple, sahen sich die hiesigen Marktteilnehmer gezwungen, das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen und weitergreifende strategische Diskussionen zuzulassen.

Bereits am 30.03.2016 war der Presse zu entnehmen, dass Paymit und Twint über eine Fusion sprechen und heute (12.05.2016) wiederum wird darüber spekuliert, dass sich Paymit und Twint kurz vor einem Zusammenschluss befinden.

Ein Zusammenschluss macht aus Anbieter-, Kosten- und vor allem auch Kundensicht sicher Sinn. Wir warten nun gespannt, in welcher Form sich so ein Zusammenschluss auf die vorhandenen Dienstleistungen auswirkt, zumal sich beide Lösungen zurzeit in wesentlichen Punkten unterscheiden:

Integration:
  • Paymit gibt es sowohl als Stand-Alone App (UBS, LUKB, weitere) als auch integriert in die Mobile-Banking Lösung der Bank (Beispiel: ZKB).
  • Twint existiert nur als eigenständige Lösung – der Brand steht im Vordergrund – eine Integration ist nicht vorgesehen.
Kontoanbindung / Belastung:
  • Paymit kann sowohl mit Direktanbindung (Bankkonto) oder Kreditkarten-Anbindung genutzt werden.
  • Twint setzt einen Prepaid-Ladevorgang voraus.
Technologie:
  • Paymit setzt im Handel auf den QR-Code der durch den Kunden gescannt wird. Dieser kann sowohl statisch auf einem einfachen Sticker abgebildet aber auch dynamisch auf einem Kassenterminal eingeblendet werden.
  • Twint setzt primär auf die eigenen Bluetooth Beacons
Verbreitung:
  • Paymit gibt es hauptsächlich als P2P-Lösung – die Verbreitung im Handel (P2M) ist erst gestartet.
  • Twint hatte von Anbeginn weg den Handel im Fokus und kann mit Coop bereits einen wichtigen Retailer als Handelspartner vorweisen.
Geschäftsmodell:
  • Paymit verdient, vereinfacht gesagt,  Geld mit jeder abgewickelten Transaktion –  zu Lasten des Händlers.
  • Twint kann im Handel durch die kostengünstige Abwicklung punkten – nicht die Transaktionsgebühr sondern der Gegenwert der gesammelten Daten steht im Vordergrund.

Es wird sich wohl in den kommenden Wochen zeigen, ob und wie sich Paymit und Twint am runden Tisch über die Ausprägungen einer gemeinsamen Lösung einigen können.

 

 

 

 

 

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