Identifikation Quo Vadis

Digital Onboarding – Quo Vadis?

Nicht ganz überraschend hat die Finma kurz vor Weihnachten bekannt gegeben, die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen im Finanzbereich über digitale Kanäle anpassen zu wollen. Was sind aber die relevanten Inhalte des Finma Rundschreibens 2016/xx Video- und Online-Identifizierung, dessen Anhörung noch bis zum 18. Januar 2016 dauert?

Es geht um Folgendes: Um der zunehmenden Digitalisierung Rechnung zu tragen, legt die Finma die Sorgfaltspflichten der Geldwäschereiregulierung „technologieneutral“ aus. Sie stellt damit bei der Kontoeröffnung die Identifizierung der Vertragspartei mittels Videoübertragung der persönlichen Vorsprache gleich, und lässt auch andere Formen der Online-Identifizierung zu.

Insbesondere schafft das Rundschreiben neue Rahmenbedingungen für folgende drei Themenbereiche:
1. Videoidentifizierung (der persönlichen Vorsprache gleichgestellt)
2. Online-Identifizierung (der echtheitsbestätigten Kopie des Ausweises gleichgestellt)
3. Zertifizierte Unterschrift und wirtschaftliche Berechtigung (auch im Kontext der Online-Eröffnung)

 

1.  Videoidentifizierung (der persönlichen Vorsprache gleichgestellt)

Was beispielsweise die Commerzbank in Deutschland heute schon durchführt soll bald auch in der Schweiz möglich sein. Die Beziehungseröffnung mittels Videoübertragung. Diese Dienstleistung kann unter gewissen Voraussetzung auch delegiert, also an Dritte ausgelagert werden. Das nachfolgende Video veranschaulicht die Dienstleistung von IDnow, nach eigenen Angaben Europas führender Anbieter für sichere und einfach benutzbare Identifikations- und Unterschriftenlösungen.

Video: Online-Legitimation mit IDnow / Quelle: Youtube

 

Der Vorgang der Identitätsprüfung gemäss Finma Rundschreiben lässt sich am besten beschreiben, wenn man diesen in die Phasen vor, während und nach Identitätsprüfung gliedert:

Vor Identitätsprüfung
  • Elektronische Übermittlung der Angaben durch Vertragspartei (Kunde) vor Livegespräch
    • Natürliche Person: Name, Vorname, Geburtsdatum, Wohnsitzadresse, Staatsangehörigkeit
    • Juristische Person: Firma und Domiziladresse
    • An Vermögenswerten wirtschaftlich berechtigte natürliche Person
  • Einverständniserklärung der Vertragspartei zu Audioaufzeichnung
Während Identitätsprüfung
  • Fotografieren der Vertragspartei
  • Fotografieren aller relevanten Seiten des Identifizierungsdokumentes
  • Überprüfung der Echtheit des Identifizierungsdokuments
  • Überprüfung der Übereinstimmung des Indentifizierungsdokumentes mit der Vertragspartei
Abschluss der Identitätsprüfung
  • Finanzintermediär stellt Vertragspartei TAN zu und lässt sich diese bestätigen
  • Archivierung
    • Fotos des Identifizierungsdokuments
    • Fotos der Vertragspartei
    • Audioaufzeichnung

Der Vorteil dieser Identitätsprüfung ist sicherlich der Umstand, dass der (potentielle) Kunde in Interaktion mit einer Person tritt, die unter Anleitung die einzelnen Prozessschritte gemeinsam mit dem Kunden durchführt. Der Vertragspartner hinterlässt bereits im Vorfeld seine Personalien (und vermutlich auch eine Produktauswahl z.B. in einem Formular auf der Webseite) und kann dann in kurzer Zeit dank Live-Konferenz (wo die entsprechende Ausweisprüfung geschieht und das Foto erstellt wird) zum Abschluss bewegt werden. Ein Filialbesuch wird so gewissermassen überflüssig.

2. Online-Identifizierung (der echtheitsbestätigten Kopie des Ausweises gleichgestellt)

Die Online-Identifizierung lässt auch eine Self-Service Beziehungseröffnung ohne Videokonferenz zu. Die Ausweiskopien werden entweder durch den Finanzintermediär oder durch eine qualifizierte elektronische Signatur auf ihre Echtheit geprüft. Auch wird der heutige Prozess der Identifikation durch Dritte (zum Beispiel „Gelbe Identifikation“) prozessual vereinfacht. Neu ist zudem die elektronische Zustellung einer Kopie (z.B. Bilddatei) des Ausweises zulässig, wenn diese eine Bestätigung über die inhaltliche Übereinstimmung, einen Zeitstempel und ein Mitarbeitervisum verfügt. Nachfolgend finden Sie eine Auflistung zu den wesentlichen Merkmalen der Online-Identifizierung:

Elektronische Ausweiskopie mit Echtheitsprüfung durch den Finanzintermediär
  • Fotografie von Vertragspartei (durch Vertragspartei)
  • Fotografie aller relevanten Seiten des Identifizierungsdokumentes (durch Vertragspartei)
  • Geldüberweisung der Vertragspartei ab Schweizer Bankkonto
  • Finanzintermediär stellt Vertragspartei TAN zu und lässt sich diese bestätigen
  • Überprüfung der Wohnsitzadresse anhand
    • einer Rechnung (Utility Bill)
    • eines Schriftenwechsels auf dem Korrespondenzwegs
    • eines öffentlichen Registers
Elektronische Ausweiskopie mit qualifizierter elektronischer Signatur
  • Fotografie aller relevanten Seiten des Identifizierungsdokumentes (durch Vertragspartei)
  • Authentifizierung der qualifizierten elektronischen Signatur durch CH-Anbieter
  • Überprüfung der Übereinstimmung  von Ausweis und elektronischer Signatur
  • Geldüberweisung der Vertragspartei ab Schweizer Bankkonto
  • Finanzintermediär stellt Vertragspartei TAN zu und lässt sich diese bestätigen
  • Überprüfung der Wohnsitzadresse anhand
    • einer Rechnung (Utility Bill)
    • eines Schriftenwechsels auf dem Korrespondenzweg
    • eines öffentlichen Registers
Digitale Echtheitsbestätigung
  • Aussteller von Echtheitsbestätigungen stellt Finanzintermediär ein elektronisches  Abbild des Identifizierungsdokumentes zu
  • Dieses Abbild enthält eine untrennbare Bestätigung über die inhaltliche Übereinstimmung, einen Zeitstempel und ein Mitarbeitervisum
3. Zertifizierte Unterschrift und Wirtschaftliche Berechtigung (auch im Kontext der Online-Eröffnung)

Soll im Rahmen der Video-Identifizierung auch eine Online-Eröffnung erfolgen (zum Beispiel im Rahmen eines Basisvertrages, der den zukünftigen Zugriff mittels Internet-Banking regelt), so kann diese Erklärung geschehen, indem der Kunde ein Online-Formular ausfüllt und seine Angabe entweder mittels qualifizierter elektronischer Signatur (à la SuisseID) oder z.B. mittels SMS-Code bestätigt. Die zertifizierte Unterschrift dürfte damit die Online-Identifikation sinnvoll ergänzen und die User Journey des „Ich möchte auf elektronischem Weg Kunde werden“ komplettieren.

Nicht ganz so revolutionär aber trotzdem hilfreich ist die Tatsache, dass zukünftig das „Formular A“ auf Kundenseite zwar noch physisch unterschrieben werden muss, danach aber auch auch per E-Mail durch das Finanzinstitut entgegengenommen und archiviert werden darf. Nachfolgend noch die Auflistung der wesentlichen Punkte:

Zertifizierte Unterschrift auf Online-Formular
  • Erklärung der Vertragspartei erfolgt mittels Online-Formular (im Rahmen des Eröffnungsantrages) und wird durch Vertragspartei mit einer qualifizierten elektronischen Signatur bestätigt
  • Erklärung der Vertragspartei erfolgt mittels Online-Formular (im Rahmen des Eröffnungsantrages) und wird durch Vertragspartei mittels anderer elektronischer Methoden (mTan, pushTAN…) bestätigt, sofern eine eindeutige Zuordnung zur Vertragspartei möglich ist
Scan des unterzeichneten Formulars
  • Der Finanzintermediär kann ein von der Vertragspartei ausgedrucktes, physisch unterzeichnetes, eingescanntes, fotografiertes und dem Finanzintermediär per E-Mail zugestelltes Formular zu seinen Akten nehmen
  • Der Finanzintermediär ergänzt das eingescannte Formular um die E-Mail der Vertragspartei

Wie schon erwähnt darf der Finanzintermediär Personen und Unternehmen mit der Durchführung der Identifizierung / Feststellung der wirtschaftlichen Berechtigung beauftragen. Die Online-Eröffnung wiederum stellt langfristig kein Alleinstellungsmerkmal dar, ist jedoch aus Technologie- und Prozesssicht nicht zu unterschätzen.

Es wird daher spannend sein zu sehen, welche Institute in der Schweiz (so wie heute in Deutschland) die Online-Identifizierung den Finanzinstituten als Leistungspaket offerieren werden.

 

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