Apple Pay

Weg mit der Kreditkarte, ran an die Uhr!

Der bargeldlose Zahlungsverkehr ist in aller Munde. P2P, P2M, Mobile Commerce, Apple Pay – alles Begriffe, die in der „Digital Roadmap 2016“ vieler Schweizer Finanzinstitute auftauchen dürften.

Wo aber steht die Schweiz in diesem Kontext? Digital Payment hat hierzulande noch keine Beliebtheits-Trophäe gewinnen können – dieser Preis dürfte auf unserem Kontinent Richtung Norden gehen – nämlich nach Schweden, wo Noten und Münzen nur noch rund 2 Prozent des schwedischen Wirtschaftssystems ausmachen (verglichen mit 7.7% in den USA und 10% im Euro-Raum).

Dass in Schweden die Offenheit gegenüber neuen Zahlungsmethoden grösser ist als in vielen industriell auch weit entwickelten Ländern dürfte seinen Ursprung unter anderem im Reifegrad der Informations- & Kommunikationstechnologie haben.

Schweden befand sich, in Bezug auf den „Prozentsatz der Haushalte mit Internet-Anschluss“ im Zeitverlauf während rund 10 Jahren immer auf den ersten 3 Plätzen, gut eingebettet inmitten weiterer nordischer Länder wie Dänemark, Norwegen und Finnland.

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Nur noch 20% der Konsumentenzahlungen wurden in Schweden im vergangenen Jahr bar abgewickelt – ein erstaunlicher Wert, verglichen mit einem Durchschnittswert von 75% für den Rest der Welt. Dass Cash in Schweden nicht mehr King ist zeigen auch die 2.4 Milliarden Kredit- und Debitkarten-Zahlungen – verglichen mit 213 Millionen 15 Jahre früher.

Der Reifegrad in der Schweiz ist in diesem Kontext hingegen noch viel geringer. Mit mobilen Zahlungslösungen wird versuchet ein Problem zu lösen welches, so scheint es zumindest auf den ersten Blick, noch kaum existiert. Ob ein Endanwender bereit ist, ein digitales Bezahlprodukt zu nutzen hängt primär von der Einstiegshürde und der Akzeptanz des Zahlungsmittels ab, was wiederum für einfache und integrierte (Banken-)Lösungen spricht. Auf diesem langen Weg Richtung schwedischer Verhältnisse könnten die auch hierzulande akzeptierten scheemebasierte Zahlungsmethoden (Kreditkarten) durchaus eine Rolle spielen.

Dass es den physischen Kreditkarten an den Kragen geht, dafür möchte mit SWATCH auch eine Schweizer Firma sorgen.

Wie der Fintech-Presse unlängst zu entnehmen war, hat nämlich N. Hayek im Schatten von Apple und Co.  mit der Bellamy Swatch an einem Konzept gewerkelt, welches so einfach wie bestechend ist: Reduce to the max. Belamy ist eine schlichte analoge Armbanduhr, keine Smartwatch. Sie kostet keine CHF 100.– und kann, sobald richtig aktiviert, mittels Near Field Communication (NFC) am Bezahl-Terminal die Rolle der Kreditkarte übernehmen. Dank der Partnerschaft mit Visa Europe und dem angekündigten Rollout in der Schweiz, China, Brasilien und den USA betritt damit ein ernst zu nehmender Kandidat bereits im Frühjahr 2016 das grosse Parkett der Digitalen Bezahlmöglichkeiten.

Die Mobile-Payment-Lösungen von Apple und Google befinden sich  ebenfalls in den Startlöchern.

Bis heute unterstützen mehr als 90 Prozent der amerikanischen Banken Apple Pay. Im Unterschied zu individuellen Payment-Lösungen beansprucht Apple Pay auch nicht, ein eigenes Produkt zu sein. Apple ist ein Service, verknüpft mit dem iPhone oder der Apple Watch. Ähnlich wie Swatch Bellamy transportiert die Uhr die integrierte Kreditkarte zu jedem Verkaufspunkt, welcher NFC-tauglich ist. Das gleiche gilt für Android Pay, der Zahlungslösung von Google.

Voraussetzung für den Markteintritt ist die Zusammenarbeit mit Banken und Kreditkartengesellschaften, denn das NFC-fähige Smartphone muss durch den Hersteller für diesen Service erst freigeschaltet werden. Ob und wann dies in der Schweiz geschieht hängt ganz von den Verhandlungstaktiken der relevanten Partner ab.

So lange zwei sich streiten, kann sich der Dritte freuen.

Je länger diese Verhandlungen dauern, desto besser können sich jene Payment-Methoden positionieren, welche nicht auf Basis von Kreditkarten entwickelt werden. In der Schweiz sind dies namentlich Paymit von Six und Twint von Postfinance, auf deren Eigenschaften und Geschäftsmodell ich in einem späteren Blog-Artikel eingehen werde.

 

 

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Ein Gedanke zu „Weg mit der Kreditkarte, ran an die Uhr!

  1. Das Interesse an dieser Form des Bezahlens steigt defintiv an. Es bleibt abzuwarten, welches System sich auch auf Dauer durchsetzen wird und was es in Zukunft in diesem Bereich noch alles zu sehen gibt.

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